KAROSHI - Grausame Zukunft?
Die Tage zu lang, die Nächte so kurz. Mörderisches Arbeitsleben: In Japan wird „Karoshi", der Tod durch Überarbeitung, als Arbeitsunfall anerkannt
In keinem anderen Land wird so lange gear-beitet wie in Japan. Wer früher geht, heißt es dort, lässt die Kollegen im Stich. Niemand karm offen sagen, dass er mehr Freizeit haben will. Eine Arbeitsmorał, die die Gesundheit ruiniert. Tokio. Zu viel Arbeit, lange Tage, kurze Nächte - daran ist Eiji Harada zugrunde gegangen. Der 24 Jahre alte Berufsanfänger hat Selbstmord begangen. Eineinhalb Jahre zuvor war die Welt für ihn noch in Ordnung gewesen. Das Büffeln an der Universität hatte sich gelohnt, direkt nach dem Examen stellte ihn Dentsu ein, eine der größten Werbeagenturen Japans. Eiji Harada sollte Radiospots entwerfen und Werbezeiten verkaufen. Doch die Arbeit wuchs ihm schnell über den Kopf. Schon bald saß er bis spät abends im Büro, dann wenigstens hatte er Ruhe vor dem Telefon. Im zweiten Berufsjahr gehörten Eijis Nächte zum Arbeitstag. Eltern, Freunde und Kollegen sahen nicht, dass er acht Monate lang mindestens vier Tage in der Woche bis zwei Uhr morgens arbeitete. Einen Monat vor seinem Selbstmord machte er jeden drit-ten Tag bis sechs Uhr früh Überstunden. Da war sełbst der Weg ins eigene Bett zu lang: 90 Minuten dauerte der Heimweg. Unbemerkt machte er im Büro seines Yaters ein Nickerchen, gegen 9.30 Uhr musste er wieder an seinem Schreibtłsch sein. 40 Kunden hatte der junge Mann zu betreuen: Besuche bei Klienten, Projektsitzungen und Preisverhand-lungen füllten seinen Terminkalender. Eiji Harada war pflichtbewusst, aber die Zeit wurde immer knapper, er hatte immer weniger Ideen. Als ein wichtiges Projekt beendet war und er ein neues beginnen sollte, wahlte er die Flucht in den Tod.
öäëßÜü