Poproszę na polski i dziękuję!

Hätte damals die deutsche Politik mehr auf mich gehört und meine Analysen ernst genommen, dann hätten wir heute, nach meiner Überzeugung, keine AfD. Allerdings hätten wir auch eine andere Einwanderungspolitik. Im Grunde ist es ganz einfach: Wenn die herrschenden Parteien Themen vernachlässigen, dann suchen sich die Themen eben neue Parteien.Wird man diesmal auf Sie hören?Politik ist ein großes, vielstimmiges Konzert, da nehmen Hunderttausende, Millionen teil, und da ist es immer so, dass man auf die meisten nicht hört. Ich sage mal: Die Welt läuft, wie sie läuft. Sie kümmert sich einfach nicht um mich … - Ringt sich ein Lächeln ab.Nach den furchtbaren Ereignissen in Chemnitz, wo Rechtsextreme Jagd auf Migranten gemacht haben, stellt sich da nicht die Frage, was gefährlicher ist: der Rechtsextremismus oder der Islamismus?Es hat keinen Sinn, die Dinge gegeneinander auszuspielen. Was abstoßend ist, ist abstoßend. Punkt. Und insoweit kann man nicht die eine Gefahr kleinreden, indem man die andere vergrößert. Aber dass die Rechtsextremisten, damit meine ich jetzt die wirklichen Rechtsradikalen, rechts von der AfD, so viel Zulauf haben, liegt doch daran, dass große Teile der sogenannten normalen Menschen der herrschenden Politik nicht mehr vertrauen. Und die herrschende Politik hat durch ihren Silberblick auf die Probleme letztlich dazu geführt, dass auch die Rechtsradikalen mehr Resonanzfläche haben, als sie andernfalls hätten.Gilt der Silberblick auch für die österreichische Regierung?In Österreich hat die FPÖ in weiten Teilen von Wien, aber auch in anderen Bundesländern die SPÖ als Arbeiterpartei abgelöst. Ähnliche Trends beobachten wir bei den Gewerkschaften: Wenn der sogenannte kleine Mann vor unerwünschter Einwanderung und einem Wettbewerb, den er als ungerecht empfindet, nicht geschützt wird, sucht er diesen Schutz eben anderswo. Also: Ja. Bei uns in Deutschland merkt Sahra Wagenknecht von den Linken mittlerweile die Gefahr und versucht, gegenzusteuern.Ist das ein kleiner Seitenhieb gegen die SPÖ, die in ihrem neuen Parteiprogramm das Thema Migration als kleinen Randpunkt angeführt hat?Ja gut, die SPÖ muss sich eben in gewisser Weise neu erfinden, wenn sie mal wieder regieren will - Lacht.Herr Sarrazin, es gibt viele Bezeichnungen, die Ihnen schon zugedacht wurden: Aufklärer, Provokateur, Mahner, Unerschrockener. Welcher gefällt Ihnen persönlich am besten?Das sind alles Etiketten. In der berühmten Fabel von „Des Kaisers neue Kleider“ war der Provokateur das Kind, das sagte: „Aber der Kaiser ist ja nackt!“ Aber es war die Wahrheit.Thilo Sarrazin mit Conny Bischofberger (Bild: Alexander Bischofberger)Thilo Sarrazin mit Conny Bischofberger(Bild: Alexander Bischofberger)Karl Kraus hat gesagt: „Was trifft, trifft auch zu.“Ich würde es so sagen: Was trifft, trifft einen wunden Punkt, aber es muss nicht unbedingt wahr sein.Apropos Wahrheit: Die Medien haben Ihr Buch mehrheitlich zerrissen und Ihnen inhaltliche Fehler vorgeworfen Viele Kritiker haben sich schon aus Anlass meiner früheren Bücher kräftig blamiert, und ich kann sie nicht daran hindern, das jetzt zu wiederholen. Weder gelingt es den Kritikern, die von mir aufgeworfenen Fragen wegzuwischen, noch können sie meine Antworten argumentativ aus den Angeln heben. Auch die von mir genannten Fakten bleiben - bis auf einige unbedeutende Details - in der Kritik letztlich unbestritten.Die deutschen „Grünen“ haben Ihr Buch als „Brandbeschleuniger“ bezeichnet. Gießen Sie dann, um beim Bild zu bleiben, mit dem Thema Islam Öl ins Feuer?Wer so redet, sieht offenbar die Wahrheit als brandgefährlich an. Menschen, die so denken, sollte man keine öffentlichen Ämter anvertrauen. Ich sehe eine große Tendenz, einfach die Teile der Wirklichkeit, die einem nicht gefallen, zu verweigern. Es haben ja schon einige SPD-Politiker gesagt, dass sie das Buch unter keinen Umständen lesen werden. Dann sage ich: „Na gut, dann müssen sie eben dumm bleiben.“Gibt es auch Parteikollegen, die sich für das Buch bedankt haben?Ja, ganz viele. Es ist doch auch bezeichnend, dass der ehemalige Bezirksbürgermeister von Neukölln, Heinz Buschkowsky, ebenfalls SPD, mein Buch bei der Pressekonferenz vorstellte. Und 2010 gab es eine Umfrage von M-Net im Auftrag vom „Spiegel“. Da kam raus, dass von den Sozialdemokraten über 60 Prozent es wichtig fanden, dass ich diese Themen angesprochen hatte und dass 44 Prozent mir zustimmten.Haben Sie im Vorfeld der Buchveröffentlichung eigentlich Drohungen bekommen?Mich haben hier keine Drohungen erreicht. Allerdings, ich lese niemals über mich selbst im Internet, insofern gehen alle Drohungen, die irgendwo im Internet ausgesprochen werden, spurlos an mir vorbei. Ich nehme sie einfach nicht zur Kenntnis.Zur Person: SPD prüft Ausschluss SarrazinsGeboren am 12. Februar 1945. Volkswirt, ehemaliger Politiker, Mitglied der SPD. Ab 2002 war Sarrazin Finanzsenator in Berlin, ab 2009 Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank. Nach Kontroversen um seinen Bestseller „Deutschland schafft sich ab“ (1,5 Millionen Mal verkauft) ließ er sich von seinen Aufgaben entbinden. Sein neues Buch „Feindliche Übernahme“ (Verlag FBV, € 25,70) nimmt die SPD zum Anlass, einen Parteiausschluss zu prüfen. Sarrazin ist mit einer pensionierten Lehrerin verheiratet und hat zwei Sohne.